Datenbanken und weiterführende Informationen zu Hausmitteln und Volksmedizin 

 

Am Wiener Institut für Pharmakognosie wurden von Prof.  Dr. Wolfgang Kubelka und Prof. Dr. Saukel von 1983 bis 1995 Diplomarbeiten vergeben, in denen althergebrachtes Wissen in den verschiedenen Regionen des Landes erhoben werden sollten. Den besten Überblick über die Forschungstätigkeit der Wiener Pharmakognosie zum überlieferten Arzneimittelschatz in Österreich bietet die Dissertation der Pharmazeutin Sigrun Gerlach, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, sämtliche Informationen aus 42 Diplomarbeiten zum Wissen von insgesamt 1857 Gewährsleuten in einer Datenbank zusammenzufassen, die den Namen VOLKSMED DATENBANK trägt.

Gerlach, Sigrun Wissenschaftliche Reflexionen über traditionelle Arzneimittel in Österreich. Dissertation, Wien,2007

Insitut für Pharmakognosie, Wien: http://www.univie.ac.at/pharmakognosie/ 


 

Phytokodex 

 

Ebenfalls vom Institut für Pharmakognosie stammt der von Prof. Dr. Reinhard Länger und Prof. Dr. Wolfgang Kubelka erstellte Phytokodes. Dabei handelt es sich um eine Online-Datenbank mit Arzneipflanzen-Monographien und einem Spezialitätenverzeichnis (Stand 2010). Neben der deutschen und lateinischen Bezeichnung können Informationen zu Wirkung, Indikation und Inhaltsstoffen der Arzneidrogen abgerufen werden.

http://www.kup.at/db/phytokodex/index.html 


 

Volksmedizin in Tirol

Das grenzüberschreitende EU-Interreg-II-Projekt „Volksmedizin in Tirol“, das 1999 unter der Leitung des Psychologen Oskar Ausserer begonnen wurde, deckt die Regionen Nordtirol, wo 42% aller Interviews gemacht wurden, sowie Osttirol (6%) und Südtirol (52%), ab. Im Abschlussbericht von 2001 scheinen 150 Interviewberichte auf, wobei insgesamt mehr Frauen als Männer ihr Spezialwissen über Volksmedizin preisgaben. Die Gewährsleute waren meist zwischen 60 und 95 Jahre alt, die nach den „alten Methoden“ befragt wurden, weshalb der kulturhistorische Wert der Erhebung besonders hervorzuheben ist.  

 

Die Ergebnisse der Befragungen von älteren Personen mit einem besonderen Wissen zu volksmedizinischen Anwendungen und Rezepturen in Tirol wurden im Abschlussbericht stichwortartig zusammengefasst, der online über die Homepage des ZDN (Zentrum zur Dokumentation von Naturheilverfahren) abgerufen werden kann.

Ausserer, Oskar Volksmedizin in Tirol. EU Interregnum- II- Projekt, 2001

http://www.zdn.info/news_detail.php?id=7


 

Die Erinnerung an bäuerliche Heiltraditionen und Laienpraktiker/-innen in der Steiermark

Inge Friedl hat für ihr Buch über bäuerliche Heiltraditionen vor allem in der Steiermark recherchiert, wo sie Experten/-innen auf diesem Gebiet ausfindig gemacht und sie über ihre Erinnerungen an jene Zeit befragt hat, als die Selbstversorgung bzw. das Aufsuchen von Laienheilern/-innen in gesundheitlichen Belangen noch eine Notwendigkeit war. Obwohl sie noch den/die ein oder andere Kräuterkundige/-n ausfindig gemacht hat, schildert sie doch vorwiegend Vergangenes. Meist handelt es sich um Erinnerungen der Nachfahren bekannter Bauerndoktoren, Knocheneinrichter/-innen und Zahnreißer. Viele der Fertigkeiten z.B. der Knocheneinrichter/-innen wurden zu einer Zeit, in der Ärzte selbst bezahlt werden mussten und zudem oft schwer erreichbar waren, gebraucht. Heute hat sich diese Situation verändert, es gibt eine flächendeckende Krankenversicherung und medizinische Versorgung, niemand würde heute auf die Idee kommen mit einem gebrochenen Bein einen Laienpraktiker aufzusuchen.

Was Friedls Arbeit auszeichnet, ist die Einbindung von Gesprächsausschnitten, sodass das damalige Erleben der Befragten lebendig wird, wobei sie die Erinnerung daran nicht schönt oder die Volksmedizin verklärt, sondern das Leiden und die Not aufzeigt, in der sich die Menschen befanden.  

Friedl, Inge Heilwissen in alter Zeit: Bäuerliche Heiltraditionen. Böhlau, Wien, 2009 


 

Volksmedizin in Österreich

Die Botanikerin und Ethnologin Ida Pohl-Sennhauser hat in den 1980ern 97 Personen zu ihrem Expertenwissen über Volksmedizin befragt, wobei der Schwerpunkt auf dem Burgenland (28 Personen), Niederösterreich (26 Personen) und der Steiermark (24 Personen) lag, weitere Personen kamen aus Oberösterreich, Salzburg und Wien. Da Pohl-Sennhauser auf der Suche nach einer „authentischen Volksmedizin― (Pohl-Sennhauser 1996:16) war, die offenbar möglichst weit in der Vergangenheit zurück liegen sollte, betrug das Durchschnittsalter ihrer Gewährsleute etwa 70 Jahre, einige der Befragten wurden im 19.Jh. geboren und verlebten ihre Kindheit und Jugend noch in der Monarchie. Die Datensammlung umfasst volksmedizinische Therapien (Originalwortlaut) mit Tieren, tierischen Fetten, Pflanzen, alltäglichen Nahrungsmitteln, Mineralien, Wasser, Chemikalien, Erden und der Dreckapotheke. Die Angaben sollen keine Handlungsanweisungen sein, auch wenn die eher literarische Beschreibung dazu geeignet wäre, allerdings verleiten die teilweise skurrilen Praktiken, wie das Verbinden einer Wunde unter Hinzufügung eines lebenden Salamanders (Pohl-Sennhauser 1996:27), oder heute negativ konnotierten Praktiken, wie die Verarbeitung von Hunden für Heilmittel, kaum zur Nachahmung.

Pohl-Sennhauser, Ida Volksmedizin in Österreich. Edition selene, Klagenfurt, Wien, 1996